Ausbildung

Wir haben nichts Falscheres erlebt als die Behandlung eines Menschen entsprechend seinem fortgeschrittenen Alter und der Diagnose Demenz. Einer Mitarbeiterin wurden wegen ihren siebzig Jahren eine Röntgenaufnahme ihres unteren Rücken verwehrt, obwohl ein anderer Arzt dann damit den ersten Schritt zur Heilung hat machen können, und eine Kundin wurde wegen ihrer hundert Jahren und der Diagnose schwere Demenz auf Anordnung der KESB im Luzerner Kantonsspital festgehalten und in ein Pflegebett mit Gittern eingesperrt. Hühner haben mehr Platz. Sie durfte nicht mehr trainieren, nicht einmal sich bewegen und wurde mit nur noch 500 ml Flüssigkeit und 100 kcal PRO TAG zu Grunde gerichtet, damit sie ins Pflegeheim verbracht werden kann und nach Vorstellung der Medizin mit Neuroleptika sediert noch ein paar Wochen leben würde. Keine Vitamine, keine Elektrolyten, nicht mal Einweiss erhielt sie. Man musste zuschauen, wie ihre Muskulatur schwand, und der Stationsarzt sagte nach ein paar Tagen, er sei nicht sicher, ob sie noch stehen könne. Es war ein Verbrechen, aber sie hat mit der Kraft, von der hier später noch die Rede sein wird, für ihre Befreiung gekämpft, und wir haben sie rausgeholt. Zwei Monat später, nach Flucht vor der KESB ins Ausland, Erholung mit uns, Rückkehr in die Schweiz, mit Schutz durch einen Rechtsanwalt und wieder Training, lief sie wieder einhändig geführt in ihrer eigenen Wohnung, stand selber auf und machte sogar erste Schritte wieder ganz ohne Hilfe. Dies, nachdem sie bis vor ihre Einlieferung ins Kantonsspital noch dreieinhalb Stockwerke hoch und wieder runter lief, frei stehend Bälle in der Luft fangen und im Training ein schweres Tüchentablett tragen konnte. Es ging rasant hinunter ohne Bewegung und unser Training, richtige Ernährung, und - was wegen ihres Alters und der schweren Demenz niemand für möglich hielt - mit unserer Pflege dann auch wieder hinauf! - Dies ist in erster Linie ihr selber zu verdanken, denn sie ist eine, die sich nicht aufgegeben hat und bei uns Lernende geworden ist. Könnte sie noch besser sprechen, wäre sie auch Lehrende. Aber sie lehrt uns auch mit ihrem leuchtenden Beispiel und den Videos, die wir von ihr haben machen dürfen. Und Sie werden sehen: sie passt nicht in ein Schema. Und auch Sie werden nicht mehr in die Schemen Alter und Diagnose Demenz passen. Sie werden frei sein und leben, und das in bester Qualität! Dazu brauchen Sie eine Lebensbeziehung und dass Sie bei uns Ausbildnerin bzw. Ausbildner werden. Und da wir in diesem Alter auch Anspruch auf entsprechende medizinische und krankenkassliche Behandlung haben, sprechen wir vom Frailty Syndrom, der ganz normalen Altersgebrechlichkeit, nicht von der medizinisch tötenden Demenz.